Der überbewertete Verstand
"Ich denke, also bin ich?"
Die meisten Menschen identifizieren sich sehr mit ihrem Verstand, mit den Gedanken, die ihnen durch den Kopf rauschen, mit ihrer Bildung und Intelligenz.
Sie fühlen wenig, sondern denken die ganze Zeit.
Der Verstand
ist wie ein Computer: man kann in
der äußeren Welt Aufgaben mit ihm lösen. Aber im Erleben ist er hinderlich, denn er ist wie ein Fußballreporter aus dem Radio, der unablässig quatscht - sogar wenn das Spielfeld noch leer ist.
Meist benutzen nicht wir den Verstand.
Er benutzt uns.
Er springt zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her, er ist nie zufrieden, er ist unentschieden
und assoziativ, streitet sich
mit sich selbst herum, vergleicht,
analysiert, bewertet etc.
Wir können länger die Luft anhalten als unsere Gedanken.
Kann man das ändern? Nein.
Denn der Verstand ist wie ein Polizeidirektor, der einen Brandstifter schnappen soll - obwohl er selbst der Brandstifter ist (Metapher von Eckhart Tolle).
Der Polizeidirektor tut so, als ermittle er gegen den Brandstifter, aber in Wirklichkeit verwischt er die Spuren.
Und vielleicht sperrt er sogar einen Unschuldigen ein.
Nicht so genau hinhören.
Es funktioniert, wenn ich mich nicht mehr mit dem Verstand identifiziere. Wenn ich weiß, dass ich den Verstand habe, aber nicht Verstand bin.
Wenn ich nicht jeden Gedanken, der mir durch die Gehirnwindungen wabert, so ernstnehme.
Dann brauche ich nicht so genau hinzuhören, wenn er mich volltextet.
Und ich muss mir nicht alles glauben, was ich denke.
Dadurch entsteht eine höhere Bewusstseinsebene.
Raum. Und Freiheit.