Fragen und Bedenken rund um die Mediation
Um die Mediation ranken sich viele Bedenken und Vorbehalte. Einige möchte ich hier gerne ausräumen.
Warum sollte man überhaupt eine Mediation machen, anstatt sich einfach nur scheiden zu lassen?
Weil das Gericht keine Beziehungsprobleme lösen kann.
In einer streitigen Scheidung versuchen die Parteien, einander zu schaden, weil sie wütend sind oder einander sogar verachten. Meist versuchen sie es über das Geld oder über die Kinder.
Was die Parteien eigentlich brauchen, ist Empathie für den Schmerz, der unter dem Ärger und der Verachtung verborgen liegt.
Das hat in einem Scheidungsverfahren keinen Raum, weil Juristen dafür nicht ausgebildet sind. Sie denken in Mustern wie Richtig & Falsch, Recht & Unrecht.
Man kann nicht gleichzeitig Recht haben und glücklich sein.
Und so kommt eine mehr oder weniger hilflose Lösung heraus, mit der keiner wirklich glücklich ist.
Kommt man vor Gericht nicht eher zu seinem Recht?
Nach meiner Erfahrung nicht unbedingt, denn wie es so schön heißt: "Auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand."
Rechthaben ist etwas sehr Subjektives.
Ihr Erfolg in einem Gerichtsverfahren hängt von vielen Faktoren ab, die Sie schlecht beeinflussen können:- von der Qualität Ihres Anwalts (wenn er sich in Ihrer Problemlage nicht auskennt, übersieht er vielleicht wichtige Dinge)
- von der Qualität des gegnerischen Anwalts (wenn er gewiefter oder selbstsicherer ist als Ihr Anwalt, haben Sie vielleicht schon deswegen
verloren, auch wenn Sie juristisch gute Karten gehabt hätten),- von der Qualität des Richters und dessen emotionaler Verfassung (wenn der Richter die Akte nicht gut kennt, Sie unsympathisch findet oder privaten Stress hat, kann das sein Urteil beeinflussen)
- von der Beweislage (wenn Sie nicht beweisen können, was Sie vortragen, nützt Ihnen der schönste Rechtsanspruch nichts)
- von den Leitlinien Ihres Gerichtsbezirks (die Rechtsprechung in den unterschiedlichen Gerichtsbezirken unterscheidet sich oft sehr stark: Was in Bayern als unzumutbar betrachtet wird, kann in Hamburg kaum ein Achselzucken hervorrufen).
In einem Mediationsverfahren haben Sie viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten: es gibt nur die beiden Konfliktparteien und die Mediatorin.
Sind die Vereinbarungen einer Mediation so verbindlich wie ein Richterspruch? Was mache ich, wenn der Andere sich nicht daran hält?
Wie verbindlich die Ergebnisse sind, hängt von Ihnen ab:
Sie können die Vereinbarung notariell beurkunden und eine Klausel in die Vereinbarung einfügen lassen, dass Sie sich der Zwangsvollstreckung unterwerfen. Dann ist die Vereinbarung so verbindlich wie ein Richterspruch.
Aber:
Nach meiner Erfahrung tauchen diese Bedenken nach einer Rosenberg-Mediation gar nicht mehr auf.
Denn die Konfliktparteien haben ihre Sicht dann vollkommen verändert: der "Gegner" ist nicht mehr jemand, der mir nur schaden will, sondern jemand, der für sich gesorgt hat.Und der "Gegner" hat auch meine Bedürfnisse verstanden und gesehen. Auf dieser Ebene sind Vereinbarungen keine Kompromisse, sondern wirkliche Lösungen, an die beide Seiten sich freiwillig halten.
Was mache ich, wenn die Mediation scheitert? Kann ich dann noch vor Gericht gehen?
Ja, wenn Sie die Mediation vor einer verbindlichen Vereinbarung abbrechen, ist es so, als hätte die Mediation nie begonnen.
Sind das nicht doppelte Kosten?
Es stimmt, Sie brauchen für eine Scheidung mindestens einen Anwalt und einen Richter - sogar für eine einvernehmliche Scheidung.
Es stimmt auch, dass Sie die Kosten für die Scheidung nicht sparen können.
Aber es ist billiger, eine Mediation durchzuführen und dann eine einvernehmliche Scheidung zu beantragen, als sich auf ein streitiges Scheidungsverfahren einlassen zu müssen.
Denn wenn Sie in der Mediation z.B. Sorgerecht,
(Kindes-)Unterhalt und Zugewinnausgleich regeln und notariell beurkunden lassen, brauchen Sie kein streitiges Verfahren. Alles geht schneller und entspannter.
Und spart Kosten und Nerven.
Ein Scheidungsverfahren ohne Mediation kann viele Verletzungen verursachen.
Sogar wenn die Parteien einander einigermaßen friedlich gesonnen wären, könnte es passieren, dass sie von ihren Anwälten gegeneinander aufgehetzt werden: indem diese ihnen sagen, welche Ansprüche sie gegeneinander haben und dass sie darauf nicht verzichten sollten.
Warum tun Anwälte dies?
Der eingeschaltete Anwalt ist seiner Partei verpflichtet. Die andere Seite ist der "Gegner". Der Anwalt muss die Rechte seines Mandanten gegen den Anderen durchsetzen. Dies ist kein böser Wille. Der Anwalt muss sich absichern, denn er hat sein eigenes Haftungsrisiko im Blick: wenn er einen Mandanten falsch berät oder nicht auf einen Anspruch hinweist, dann muss er befürchten, hinterher von dem Mandanten in Regress genommen zu werden.Ein streitiges Scheidungsverfahren ist mit Sicherheit teurer als alles andere - hinsichtlich Geld, Zeit und Nerven.
In einer Mediation findet man ja doch nur einen (faulen) Kompromiss!
Nein - zumindest nicht in meiner.
Ein Kompromiss ist ein Ergebnis, bei dem beide Seiten Zugeständnisse machen - mehr oder weniger zähneknirschend.
Die geistige Haltung ist dabei immer noch das Rechthaben: Ich bin gut, du bist schlecht. Man ist immer noch verletzt, wurde immer noch nicht richtig gehört, hat immer noch Ärger in sich.
Was ich anstrebe, sind echte Lösungen: dass Sie einander wirklich SEHEN. Wenn beide Seiten sich gesehen fühlen, wollen sie einander nicht mehr schaden.
Und es kann sogar sein, dass die Lösung äußerlich genauso aussieht, wie der Kompromiss ausgesehen hätte. Aber die innere Bereitschaft ist ganz anders.
Und im Übrigen ist es vor Gericht viel wahrscheinlicher, einen faulen Kompromiss zu schließen als in einer Mediation.Denn ein Richter schaut nicht nach den Bedürfnissen der Parteien. Ein Richter richtet. Wer gibt Ihnen die Sicherheit, dass er ausgerechnet Ihnen Recht gibt?
Ein Richter wird tendenziell immer zu einem Vergleich raten.Der Richter sorgt dabei für sich selbst - er freut sich, wenn er kein langes Urteil schreiben muss. Dann ist die Akte vom Tisch und verschwindet für immer aus der Registratur.
Wie hoch sind die Erfolgschancen bei schwierigen Konflikten?
Das lässt sich leider nicht pauschal beantworten.Es hängt davon ab, wie bewusst und reflektiert die Parteien sind und wie viel "verstrickt" ist.
Die Erfolgschancen hängen weniger vom Schwierigkeitsgrad ab, sondern mehr von der Bereitschaft der Parteien, sich auf innere Arbeit einzulassen und Verantwortung zu übernehmen.
Eine Mediation ist kein Spaziergang. Menschen, die nicht gerne Entscheidungen treffen, sondern sich lieber einer Respektsperson anvertrauen (Richter), werden sich in einer Mediation eher unwohl fühlen. Aber nach meiner Überzeugung ist eine Mediation gerade bei schwierigen Konflikten viel besser als ein Gerichtsverfahren.
Ist eine Mediation eine verdeckte Therapie?
Nein. Es geht nur um Kommunikation. Ich bringe Sie dazu, Ihre Gefühle von Ihren Gedanken zu unterscheiden, zu fühlen, die Bedürfnisse zu spüren und einander wirklich zu sehen.
Ich habe keine therapeutische Ausbildung und maße mir auch nicht an, Sie therapieren zu können. Wenn ich feststelle, dass eine der Parteien eine Therapie benötigt, teile ich das mit, denn dann kommen wir ohne Therapie ohnehin nicht weiter.
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