Empathie
Nach meiner Definition bedeutet Empathie in erster Linie, dass ich ganz beim Anderen bin und vor allem lange erstmal nur zuhöre.
Ich tauche dabei ganz in die Welt des Anderen ein, höre, schmecke seine Welt und stelle meine eigenen Gefühle "ins Regal". Wenn ich zuhöre, versuche ich vor allem, die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen hören. Wichtig dabei ist, dass ich dies ohne Bewertung tue. Wenn bei mir Gedanken und Gefühle ausgelöst werden, sage ich mir "Geh zurück" und parke diese Gefühle erstmal im Regal.
Der Andere drückt sich aus, erhält Raum, kommt bei sich an. Wenn ich merke, dass er in Gedanken abgleitet oder "neue Links öffnet", führe ich ihn zurück zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen.
Ich sehe als meine Aufgabe nur, das zu beleuchten, was ohnehin schon da ist, aber ich bringe nichts Eigenes von mir ein. Nach und nach stellt sich Ruhe ein.
Und wie fühlt es sich an, Empathie zu erhalten?
Ich habe Zeit und Raum. Ich darf mich zeigen und ausbreiten, ohne bewertet zu werden. Es kommen Gefühle nach oben, die ich fühlen darf, ohne dass mich jemand dort wegholen will, weil er es nicht aushält.
Vielleicht weine ich, aber ich habe keine Angst, denn ich bin gehalten von dieser Haltung, die auf den Prozess und letztlich auf Gott vertraut. Ich komme bei meinen Bedürfnissen an und darf sie fühlen. Ich höre keine Bewertungen, keine Vorwürfe, keine Ratschläge, keine Belehrungen, sondern der Andere ist einfach nur bei mir.
Ich darf suchen, zu mir kommen, bei mir sein.
Ich habe solche Empathiesituationen schon unzählige Male erlebt - mal in der gebenden, mal in der nehmenden Position - und ich kann sagen, dass es ein unglaublicher Unterschied ist zu allem anderen Verhalten. Man wird süchtig danach.