Von der Unmöglichkeit, ein besserer Mensch zu werden…
Heute habe ich mal wieder jemanden getroffen, der wollte auf jeden Fall ein guter Mensch sein – und sich möglichst immer noch weiter verbessern. Es war ihm ganz wichtig, für seine Eltern da zu sein und gute Taten zu vollbringen.
Bezeichnenderweise gehörte zu seinem Programm „Besserer Mensch“ nicht dazu, Anderen zuzuhören.
Ist es auch Ihre Absicht, ein besserer Mensch zu werden?
Und wenn ja – in welcher Hinsicht wollen Sie besser sein: Besser als die Anderen? Besser als vorher? Oder am besten beides?
Die unangenehme Wahrheit ist: Schon die Absicht, ein guter Mensch sein zu wollen (und ein besserer Mensch werden zu wollen), hindert Sie daran, dieses Ziel wirklich zu erreichen.
Sie halten das für Quatsch? Ich werde Ihnen aufzeigen, warum es stimmt:
Wer ist das in mir, der ein guter Mensch sein muss? Mein Ego. Mein reines Bewusstsein hat solche Bewertungen nämlich gar nicht. Es ist einfach – und fertig. Reines Bewusstsein ist in der bedingungslosen Liebe. Aber macht kein Aufhebens darum.
Aufhebens macht nur das Ego – denn dadurch erhält es sich selbst. Wenn es sich ständig verändert, verbessert, weiterentwickelt, vergleicht usw., bleibt es am Leben und ist wichtig und bedeutsam.
Wenn mein Ego sich als Spezialgebiet seiner Lebenserhaltung herausgesucht hat, ein immer besserer Mensch zu werden, dann enthält dieses Streben zwei Fallen:
1. Falle:
ICH verbessere mich für eine Instanz, die bewertet, wie gut oder schlecht ICH bin. Entweder bewerte ich mich selbst, oder ich richte mich nach den Bewertungen einer anderen Person. Ich verbessere mich also, um eine gute Bewertung zu bekommen. Aber was wäre, wenn ich nicht besser würde? Dann bekomme ich eine schlechte Bewertung: „Sorry, du bist ein schlechter Mensch. Sechs. Setzen.“ Mist, und dann? Dann bin ich ja wertlos! Ich muss mich also unbedingt ständig anstrengen, damit ich gut bin, damit ich nicht schlecht bin. Unter dieser Mühe steckt also die Angst, schlecht zu sein – ein Teil von mir glaubt also, ich sei schlecht.
Etwas Gutes nur deshalb zu tun, damit man ein guter Mensch ist, ist wie Eis essen, wenn man Schnupfen hat und daher nichts schmeckt: man weiß, es ist Eis, aber man erfährt das Eis nicht. Man isst es, aber man schmeckt nicht, wie lecker es ist.
Es ist Schwarz-Weiß-Leben: die guten Taten sind weiß, die schlechten sind schwarz. Es gibt wenig Buntes in so einem Leben.
2. Falle: Ich behaupte, Sie können gar nicht gut sein, wenn Sie nicht auch schlecht sein dürfen. Können wir immer gut sein? Nein. Jeder hat nicht nur Liebe in sich, sondern auch Hass, Neid, Missgunst, Eifersucht, Ärger, Zorn, Verachtung usw. Wenn wir das in uns wegdrücken, lehnen wir einen Teil von uns ab. Und wir projezieren diese Teile auf unsere Außenwelt und ärgern uns über unsere Mitmenschen. Das führt dazu, dass wir auch die Anderen nicht wirklich annehmen können. Und wenn wir uns nur gut verhalten, ohne es innerlich zu fühlen, ist alles Gute nur Fassade – ungefähr wie eine holländische Tomate.
Wenn Sie gut sein müssen, sind Sie mehr bei der guten Note als bei Ihrem Gegenüber. Sie können sich nicht einfühlen, Sie können Ihr Gegenüber nicht wahrnehmen, Sie sehen seine Schönheit und seinen Schmerz nicht.
Da Sie Ihre Verhaltensweisen und Taten in gut und schlecht einstufen, sind Sie damit beschäftigt, Smileys zu sammeln und können in die einzelne gute Tat nicht mehr mit all Ihren Sinnen eintauchen.
Alles, was Sie tun, tun Sie eigentlich nur für sich, nicht für den Anderen. Sie benutzen den Anderen, um ein guter Mensch zu sein.
Und Sie wollen auch noch Anerkennung dafür.
Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätte diese Bewertung nicht.
Sie könnten tun, was Sie wollen und lassen, was Sie nicht wollen.
Gott würde zu Ihnen sagen: „Streng dich wegen mir nicht an, ich lieb dich sowieso – weil es meine Natur ist. Mach dich einfach locker, alles ist schick. Hier ist dein Ticket für einen Logenplatz an meiner Seite. Tue nur das, was du gerne tust, und fühle dich gut dabei.“
Wenn Sie keine Sorge haben müssten, schlecht zu sein, könnten Sie ganz anders gut sein – aber Sie würden es nicht mehr bewerten. Sie könnten auch mal schlecht sein – und auch das würden Sie nicht mehr bewerten. Ihre Welt wäre bunt. Vielleicht würden Sie manchmal etwas tun, was Sie später bedauern, z.B.wenn Sie jemandem geschadet haben. Aber Sie würden sich dafür nicht abwerten, sondern Sie könnten den Schmerz des Anderen fühlen und würdigen.
Wenn Sie etwas Gutes tun würden, würden Sie es unglaublich genießen, es einfach zu TUN. Sie würden Gute dann aus der Liebevollen Präsenz heraus tun, aus vollem Herzen heraus, und Sie würden die Liebe auf diesem Planeten mehren.
Wenn Sie das, was ich geschrieben habe, jetzt aber umzusetzen versuchen, um ein wirklich besserer Mensch zu werden, dann hat Ihnen Ihr Ego ein Schnippchen geschlagen. J
Ich würde Sie bitten, sich erst einmal für das zu lieben, wo Sie schlecht sind: Umarmen Sie Ihren Ärger, Ihre Verachtung, Ihren Neid, Ihre Gier, Ihre Arroganz, und dass Sie manchmal keine Lust haben, die Oma über die Straße zu bringen.
Seien Sie schlecht.
Natürlich meine ich nicht, dass Sie sich eine Kalaschnikov kaufen und Leute abknallen sollen.
Ich meine, dass Sie es fühlen sollen, wenn Sie sich am kalten Büffet gerne die zwei letzten Portionen Tirami Su schnappen wollen (vielleicht nehmen Sie sie sogar! J). Dass Sie fühlen, wenn Sie Ihr Kind gerade zum Kotzen finden (Sie müssen es ihm ja nicht sagen!).
Und dass Sie fühlen, dass Sie keine Lust haben, schon wieder 5,- für den kleinen Wanderzirkus zu spenden.
Das ist der Anfang von innerer Integrität.
„Wie jeder Mensch bin auch ich eine Heilige und ein A…loch, und ich darf das sein.“
Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Bewertungsskala Gut/Schlecht irgendwann zerbröselt.
Denn dann wird der Weg frei für Herzensverbindungen mit anderen Menschen.
Ganz ohne Note.
“Es hört doch nur jeder, was er versteht.”
Schon Goethe formulierte, dass jeder doch nur höre, was er verstehe. So ist es zu erklären, dass es wirklich Glücksache ist, wenn von dem, was Sie sagen, tatsächlich 100% bei jemandem ankommen, und möglichst auch noch in dem Zusammenhang, den Sie vermitteln wollten. Erwarten können Sie es leider nicht.
Oft erleben wir es, dass unsere Worte aus dem Zusammenhang gerissen oder in einer Weise interpretiert werden, wo wir nur irritiert den Kopf schütteln können. Viele Menschen vermuten dahinter eine böse Absicht.
Ich will nicht bestreiten, dass manchmal eine solche dahinter stecken kann, aber meist ist es nur das begrenzte Verständnis des Zuhörers. Es ist erschreckend, wie wenig Einfluss wir darauf haben, was jemand von dem versteht, was wir sagen.
Gut ist es noch, wenn man gleich merkt, dass man etwas nicht kapiert: meine Mutter hat mir vor kurzem eine Sonderausgabe der Spektrum mitgebracht, das ist eine Fachzeitschrift für Physik. Ich habe nichts kapiert. Überhaupt nichts. Es ist ein Segen, dass mir das gleich klar war, denn dann kann ich wenigstens nicht in der Welt herumlaufen und Blödsinn verbreiten.
Alles, was man hört und liest, versteht man auf der Bewusstseinsebene, auf der man sich befindet. Wenn ein Artikel in einfachen Worten geschrieben ist, versteht man dann die einzelnen Worte des Artikels durchaus, aber vielleicht nicht den Inhalt in seiner Tiefe. Wenn der Sinnzusammenhang des Artikels mein Bewusstseinsniveau übersteigt, kann es passieren, dass ich irrig denke, ich hätte den Artikel verstanden. Und wenn ich denke, ich hätte etwas verstanden, aber tatsächlich habe ich es nicht verstanden, dann können daraus große Schäden entstehen: für den, von dem der Artikel handelt, für den Journalisten selbst oder für wen auch immer.
Auch Ehen können darüber zerbrechen – nicht an Artikeln, aber an den unerkannten Missverständnissen.
Der unbewusst unverständige Leser liest den Artikel, bemerkt einige Schlüsselbegriffe, die er kennt, sortiert diese Schlüsselbegriffe so zusammen, wie sie nach seiner Auffassung am besten zusammenpassen, und steckt sie in die Schublade seines Verstandes, wo sie aus seiner Sicht am ehesten hingehören. Es ist ein bißchen wie beim Aufräumen – wenn etwas aussieht wie eine Schraube, tut man es eben zu den Schrauben. Wird schon stimmen.
Leider bestimmt die Schublade dann, wie der Rest des Themas wahrgenommen wird. Wenn der Zuhörer bzw. Leser zum selben Thema etwas Neues hört, wird er das Neue vermutlich in die gleiche Schublade stecken wie die ersten Informationen. Er hat dann eine Vorannahme. Er weiß schon etwas. Ein altes Sprichwort, das auch bei dem Film Avatar benutzt wurde, lautet: “Man kann in eine volle Tasse nichts mehr hineingießen.” Jedes Wissen, das wir ansammeln, füllt unsere Tasse. Und wenn sie voll ist, passt eben nichts mehr rein.
Ein fiktives Beispiel: Ein leidenschaftlicher Atheist liest in einem Artikel etwas über eine religiöse Gruppierung. Der Religionsführer soll gesagt haben, der Verstand hindere den Menschen daran, Erleuchtung zu erreichen.
Der Atheist hat keine Ahnung, was damit gemeint ist und versteht in seinem beschränkten System: “Ah, der will den Verstand abschaffen. Das ist Gehirnwäsche. Das ist also eine Sekte.”
Den Rest des Artikels liest er mit dem Bewusstsein, dass es sich um eine Sekte handelt, die den Leuten ihren Verstand rausblasen will, um sich an ihnen zu bereichern. Denn diese Lesart entspricht seinem Bewusstseinsniveau.
In dem Artikel kommen sowohl Anhänger des Religionsführers zu Wort als auch ehemalige Mitglieder. Der Atheist, der sich seine Meinung ja schon gebildet hat, wird den Artikel so lesen, als handele es sich um eine Sekte. Er wird automatisch den ehemaligen Mitgliedern eher glauben als den aktiven Anhängern – denn die ehemaligen sind ja wieder vernünftig. Die anderen unterliegen ja der Gehirnwäsche, denn bereits die Tatsache, dass jemand das System unterstützt anstatt anzugreifen, beweist, dass eine Gehirnwäsche stattgefunden haben muss.
Es ist ein geschlossenes System, in dem der Atheist schon vorher weiß, was die Wahrheit sein wird. Er ist Opfer seiner eigenen Vorannahme geworden und hat keine Chance mehr, etwas Neues zu erfahren. Und er wird herumlaufen und erzählen, dass die XY-Bewegung eine Sekte sei. (Nein, ich bin nicht Scientologin und würde es auch nie werden!)
Und es geht noch weiter: Der Filter des Zuhörers/Lesers bestimmt, welche Umstände auf welche Weise miteinander in Beziehung gesetzt werden – wir legen unbewusst selbst fest, zwischen welchen Faktoren Kausalität besteht.
Im Buch “Eine Landkarte der Zeit” von Robert Levine wird z.B. ein Naturvolk erwähnt, in dem keine Kausalität zwischen Geschlechtsverkehr und Geburt eines Babys wahrgenommen wird, weil die beiden Ereignisse zu weit auseinander liegen. Zehn Monate eben.
Wir hören etwas. Wir glauben, wir verstehen es. Wir ziehen Schlussfolgerungen und stellen kausale Zusammenhänge her. Und wir tun dies nicht aufgrund objektiver Parameter, sondern innerhalb unserer eigenen.
Die Figur Severus Snape aus der Buchreihe Harry Potter ist für mich eine Parabel für das Leben und für falsche Schlussfolgerungen:
Snape ist zwar durch die ganze Geschichte hindurch stringent unsympathisch, aber der Interpretationsrahmen für sein Verhalten ändert sich ständig:
Je nach Bewusstseinswachstum von Harry Potter und je nach der Menge der Informationen, die der Leser erhält, vermutet man Snape mal auf der guten Seite (Headmaster Dumbledore schützt ihn auch eisern), mal auf der bösen (und man denkt dann, er führt Dumbledore hinter’s Licht).
Man misstraut ihm zwar irgendwie immer, aber Dumbledore ist stark genug, dieses Misstrauen zum Schweigen zu bringen (wenn auch nicht zum Erlöschen). Aber als Snape mit der Valdemort-Anhängerin Narcissa Malfoy das Ritual des unbrechbaren Schwures zum Schutz ihres Sohnes durchführt, wird der positive Betrachtungsfilter mit einem Schlag gegen einen negativen ausgetauscht: Snape ist also wirklich einer von den Bösen! Endlich kommt’s raus! Er betrügt Dumbledore. Und am Ende des sechsten Bandes tötet er ihn sogar. Kann etwas noch klarer sein?
So einfach ist es aber nicht – und das gefällt mir an diesem Buch so.
Im siebten Band hat Harry nämlich die Gelegenheit, mit Hilfe einer flüssigen Erinnerung von Snape, die dieser ihm im Zeitpunkt seines Todes noch zustecken kann, dessen Leben zu betrachten – und alles klärt sich auf. Der Tötungsakt war zwischen dem ohnehin totkranken Dumbledore und Snape geplant und sollte seine “Agentenrolle” absichern, damit die Valdemort-Anhänger Snape weiterhin vertrauen.
Snape ist immer noch kein Sympathieträger, aber er ist kein A…loch.
Die Wahrheit ist komplex.
Ich hatte sozusagen ein Erleuchtungserlebnis, als ich dies las. Es entfaltete sich vor mir die Erkenntnis, dass wir nie genug wissen können, um uns ein Urteil zu erlauben. Ich kann nie wissen, ob der Ursache-Wirkung-Zusammenhang wirklich so
ist, wie ich ihn einschätze. Es kann immer noch eine höhere Perspektive geben, von der aus ein bestimmtes Verhalten einen ganz anderen Sinn ergibt, als ich denke. Wow.
Was macht man damit? Wie findet man die Wahrheit? Aus meiner Sicht hat man keine Chance, “die” Wahrheit zu finden. Man muss sich seinem eigenen Herzen anvertrauen. Dadurch wird man sehr bescheiden.
Und ich lade Sie ein, das Leben aus dieser Perspektive zu leben – zu wissen, dass Sie nie etwas wirklich vollständig wissen können, weil Sie immer durch Ihren eigenen Filter beschränkt sind.
Wie wird man ein besserer Mensch und – Was ist innere Integrität?
Dies sind – knapp ausgedrückt – die beiden Fragen, die eine Frau an Sri Bhagavan gestellt hat, den Gründer der Oneness University. Ich habe die Fragen und die Antworten aus dem Englischen übersetzt, weil ich sie so wertvoll und hilfreich finde.
Bhagavan, es ist sehr schwer für mich, meine Emotionen und Probleme loszulassen. Ich habe das Gefühl, da sind Dinge, die zurückbleiben und sich innerlich vermehren. Seitdem ich zu meinem ersten Kurs in Indien war, kann ich zwar bewusster über meine Gefühle werden und mir erlauben, mehr zu fühlen, aber ich bin nicht in der Lage, Dinge vollständig zu erfahren – und dann falle ich in Frustration. Was soll ich tun oder sehen, Bhagavan?
Bhagavan:
Wir haben euch nie gesagt, ihr sollt von euren Emotionen loslassen oder aufhören, etwas anzusammeln. Niemals je. Das ist nicht unsere Lehre. Alles, was wir sagen, ist, bitte realisiert, dass es EIN Verstand ist, der antike Verstand, der so ist, wie er seit Millionen Jahren war und immer so bleiben wird, bis sich das menschliche Gehirn verändert. Er war schon immer so.
Die andere Sache ist, es ist nicht dein Verstand oder mein Verstand oder sein Verstand. Es ist der Verstand von allen Menschen. Was wir also erwarten, ist, dass ihr realisiert oder versteht, das der Verstand sich nicht ändern kann. Dass es unmöglich ist, irgendwas zu ändern, was da ist. Die Unmöglichkeit der Veränderungen muss euch treffen wie eine Tonne Steine. Das ist es, worüber wir sprechen. Wir sagen überhaupt nicht, dass ihr irgendetwas ändern sollt. Wir haben euch gesagt, dass es das ist, was der Mensch seit Tausenden Jahren tut: er versucht, etwas zu ändern. Das ist, als ob man den Schwanz eines Hundes gerade biegen will: Es kann nicht funktionieren. Wenn jemand jetzt versucht, den Schwanz eines Hundes gerade zu biegen und realisiert, dass es nicht geht, dann gibt er die ganze Mühe auf. Und wenn er aufgibt, bleibt nur Frieden übrig, Stille, Ruhe. Das ist die Abwesenheit von Konflikt. Ganz ähnlich dazu ist das Problem mit dir: du hörst eine Unterweisung, oder du hörst etwas von einem Erwachten, und nun versuchst du, genauso zu werden. Du versuchst, frei von diesem oder jenem zu werden, oder du willst etwas haben, oder du willst dies oder jenes ändern – und du bist verloren. Das ist nicht, was die Unterweisung dir sagen wollte. Die Unterweisung sagte: „Sei dir einfach bewusst“. Das ist alles. Es ist nicht wichtig, was du siehst oder was vor sich geht. Das einzige, das wir von euch wollen, ist, dass du realisierst, dass es nicht geändert werden kann. Ihr könnt diese Dinge nicht aufgeben. Und seltsamerweise – aber wir wollen dies nicht besonders hervorheben, sonst wird auch dies zu einem Konzept – ist in dem Moment, in dem du aufhörst, etwas ändern zu wollen, dort plötzlich Friede. Dann ist da die Abwesenheit von Konflikt. Dann ist da Freude. Aber wenn du versuchst zu sagen, “Ich werde frei sein von Konflikt und werde Friede und Freude haben”, dann wirst du sie bis zum jüngsten Gericht nicht haben! Es ist alles eine Frage des Aufgebens. Aber nicht absichtlich und nicht durch Mühe. Das ist der Grund, warum wir von „müheloser Mühe“ sprechen. Wenn du versuchst, aufzugeben und dann aufgibst, ist es falsch. Dann gehst du dem Verstand auf den Leim. Nein, es muss herunterfallen wie ein trockenes Blatt vom Baum. Ein trockenes Blatt fällt automatisch herunter. Ähnlich wie bei dem Blatt ist das Einzige, was wir von dir wollen, dass du siehst, dass es unmöglich ist, sich zu ändern. Gerade deine Anstrengung, etwas ändern zu wollen ist das Problem. Du willst, dass etwas anders sein soll. Du sagst: “Das ist richtig, das ist falsch, es sollte so sein oder so”. Diese Anstrengung ist das Problem.
Es ist wie mit den Bergen und den Wolken – sie sind einfach da. Du kannst nichts tun mit den Bergen oder den Wolken. Du kannst sie nur anschauen. Schau sie einfach an, das ist alles, was zu tun ist. Nur anschauen. Das ist es, was wir Awareness nennen. Das ist alles, was wir Erwachen nennen. Es ist nichts, das man erreichen kann. Nein. Nur erkennen, dass es nichts zu tun gibt.
Bhagavan, du sagst, dass innere Integrität fundamental ist für das spirituelle Erwachen, aber wenn wir es praktizieren, dann sehen wir, dass wir die gleiche egoistische Person sind wie immer. Aber wie soll diese Praxis uns helfen, zum globalen Erwachen beizutragen? Entgegen aller Prozesse und Unterweisungen finden wir immer mehr Hässlichkeit in uns. Die Realität zeigt uns, was wir sind. Wie stoppen wir diese Hässlichkeit, damit sie uns nicht auf unserem weiteren Weg behindert? Wie stellen wir es an, dass unser Herz erblüht anstatt zu verwelken?
Bhagavan:
Es ist die gleiche Antwort wie auf die letzte Frage. Siehe, das Problem ist, dass du bereits etwas als Hässlichkeit deklariert hast, und dass du es ändern willst. Wie kommst du von da weiter? Dies sind alles die falschen Fragen. Alles, was wir sagen, ist, da ist weder Hässlichkeit noch Schönheit. Der Verstand bringt Streit in die Natur, denn der Verstand ist nichts als ein Fluss von Gedanken – und was ist ein Gedanke? Gedanke ist Bewertung. Was machst du mit Bewertung? Du trennst. Der Verstand trennt zwischen hässlich und schön. Er sagt “Das sollte nicht da sein.”, “Das muss passieren” und das ist es, wo du dann gefangen bist! Bitte verstehe: „Der Inhalt ist nie wichtig!“ Was immer der Inhalt ist, er hat keine Folgen. Es ist weder dein Inhalt noch sein Inhalt, sondern es ist der Inhalt des kollektiven Bewusstseins. Und dies ist einfach da. Wir bitten euch, versucht nicht, damit herumzuhantieren.
Was ist innere Integrität? Innere Integrität ist, einfach zu sehen, was da ist. Nicht zu versuchen, es in gut oder schlecht zu beurteilen, richtig oder falsch, oder Erklärungen abzugeben wie “Wie sollte es sein in 2012? Was sollte ich ändern? Ich bin immer noch so selbstbezogen. Ich habe immer noch so einen schlechten Charakter. Ich kämpfe ja immer noch”. Wer hat dich darum gebeten, zu kämpfen? Wer hat dich gebeten, dich zu ändern? Siehe einfach, was geschieht. Es ist alles sehr lebendig in dir und ändert sich von Moment zu Moment. Es ist so lebendig wie der Ozean: die Wellen kommen und gehen, hoch und nieder, neue Wellen kommen, alte Wellen gehen. Genau so kommen und gehen die Gedanken und Emotione;, Persönlichkeitsanteile tauchen auf und wieder ab. Das ganze Drama des Lebens findet in dir statt. Du bist nichts anderes als das Universum. Verurteile dich nicht dafür. Versuch’ nicht, es zu ändern. Da ist Egoismus, ja. Aber es ist nicht dein oder sein Egoismus. Es ist einfach nur Egoismus.
Auch Leiden ist nicht dein Leiden oder sein Leiden. Leiden ist Leiden, gleichgültig ob du es hast oder ob er es hat.
Wir sind alle Eins. Es ist da mit uns seit Millionen von Jahren, und es wird da bleiben, bis das Gehirn sich verändert.
Ok, du bist egoistisch, ja, das ist die Wahrheit. Ihr seid Müllhalden und Jauchegruben. Es ist nicht so, dass du im Speziellen eine Müllhalde bist oder jemand anderer eine Jauchegrube, sondern das ist es, was wir im kollektiven Bewusstsein haben. Es ist da. Wir haben dies seit Millionen von Jahren angesammelt. Wir können nichts damit tun. Ich sage nicht, dass ihr alle Heilige werden sollt.
Ich will, dass ihr Weise werdet. Was ist ein Weiser? Er denkt nicht in Richtig und Falsch. Er reagiert einfach auf’s Leben, das ist alles. In einem Moment ist er gewalttätig, im anderen ist er friedlich. In dem einen Moment hilft er dir, im nächsten vielleicht nicht. Er reagiert auf die Situationen, wie sie auftauchen. Das ist perfekte Aktion. Du kannst es nicht gute oder schlechte Aktion nennen oder richtig oder falsch. Er reagiert einfach. Und er geht nicht zurück und denkt „Habe ich es jetzt richtig gemacht oder falsch?“ Er fährt fort, einfach zu reagieren. Er sieht, was passiert. Der Inhalt ist ihm nicht wichtig.
Daher schaut bitte auf eure Hässlichkeit und bald werdet ihr aufhören, sie Hässlichkeit zu nennen. Sie könnte auch sehr schön aussehen! Und was schön aussieht, könnte genauso gut hässlich sein. Daher müsst ihr eine neutrale Position einnehmen. Bzw. sollt ihr keine neutrale Position einnehmen, sondern sie soll neutral werden. Nicht, dass ihr euch wie eine erleuchtete Person verhaltet. Nein. Ihr sollt erleuchtet sein. Nicht, dass ihr euch wie eine erwachte Person verhaltet und euch anstrengt. Wenn ihr das tut, werdet ihr nie dorthin kommen.
Das Problem mit euch ist, ihr habt Level 1 und Level 2 besucht und dies und das, und dann wurden es Konzepte. Und ihr wollt dorthin kommen, ihr wollt dies und jenes erreichen, und dann seid ihr verdammt. Es ist gibt nichts zu erreichen. Keinen Ort, an den ihr gehen könnt. Alles ist perfekt. Sieh, wie alles perfekt ist. Und was würde dir dabei helfen? Innere Integrität. Umso tiefer und tiefer du gehst, umso leichter wird es. Und es wird sehr freudvoll, weil die Konflikte verschwinden. Denn innere Integrität bedeutet, einfach zu sehen, was da ist. Du belügst dich nicht selbst. Es ist ok, jemand anderen anzulügen. Aber das Problem ist, dass du dich oft selbst belügst. Da ist ein unendliches Lügen in dir aktiv, weil du nicht sehen willst, was wirklich da ist – weil du denkst, es ist hässlich. Wer hat gesagt, dass es hässlich ist? Ein Lehrer? Eine Schrift? Weißt du, du hast nichts damit zu tun. Es ist einfach da. Das ist alles. Das ist die Wahrheit. Wie kannst du mit der Wahrheit spielen? Du kannst an der Wahrheit nicht herumhantieren. Die Wahrheit ist da. Ja, du bist egoistisch. Aber warum nennst du es egoistisch, warum bezeichnest du es so? Warum sagst du, dass es schlecht ist? Es ist nunmal da und du hast es sowieso nicht unter Kontrolle. Und wenn du tiefer gehst, wird das alles natürlich und automatisch. Da ist kein Bedürfnis mehr nach Veränderung. Was passiert dann? Probier’s aus und siehe – denn wenn ich dir etwas dazu sage, wirst du doch nur wieder ein Konzept draus machen. Mach’s einfach. Es ist nicht schwierig. Beginne mit deinem Atem und geh nach innen und schau einfach, was passiert. Und bring keine Unterweisung rein – nicht mal meine! Sieh einfach, was passiert, das ist alles. Du bist der Lehrer und die Unterweisung bist du selbst. Die Lehre ist direkt in dir drin. Das ist die wirkliche Lehre. Was passiert. Mehr nicht. Denn wenn ich dir eine Unterweisung gebe und du daraus ein Konzept machst, wirst du nirgendwo hingehen. Ich gebe dir nur ein bisschen Hilfe, das ist alles. Lehren müssen von innen kommen, von deiner Beobachtung, von dem, was du siehst. Und dann sprichst du es aus. Und dann wirst du sehen, dass es Kraft hat.
Und schon wieder ein Text über das Ego
Neulich habe ich eine Diskussion über das Ego geführt: was ist Ego-Verhalten und was nicht? Gibt es gutes und schlechtes Ego? Ist man egofrei, wenn man mitfühlend ist, einen guten Charakter hat, andere Menschen wertschätzt? Nein, nicht automatisch – sorry! Es kann nämlich auch sein, dass man einfach ein Ego hat, das ein guter Mensch sein will. Man ist viel eher auf dem Weg, das Ego zu verlieren, wenn man zuerst einmal anerkennt, dass man es hat. Ein Ego zu haben ist ja noch kein Verbrechen, denn wir haben ja schließlich alle eins – und eigentlich hat sogar jeder mehrere (auch wenn man sich nicht mit allen Egoanteilen identifizieren würde). Wenn man der Illusion erliegt, man hätte es schon nicht mehr, weil man ja selbstlos und hilfsbereit ist, dann hat man einfach ein Ego, das sich mit bestimmten Wertvorstellungen identifiziert. Und dieses “liebe” Ego ist besonders listig, denn es wiegt uns in der Sicherheit, wir seien schon drüber weg. Es versteckt sich sozusagen hinter unserer Gutmensch-Artigkeit. Sehr schlau, denn da wird es nicht so leicht entdeckt. Schon viele Gurus sind dieser Illusion des Egos auf den Leim gegangen.
Ich persönlich vermute mein Ego hinter allem, was ich tue – schon sicherheitshalber. Ich beobachte es genau, wenn es besser sein will als andere, weiter sein will in seiner spirituellen Entwicklung, einen besseren Charakter haben will, klüger sein will, wichtig sein will, gesehen werden will. Und was mache ich damit? Nix. Wozu auch. Jede Energie, die ich aufwende, um es zu ändern, verstärkt es nur.
Ich sage ihm nur, dass ich es sehe. Und ich sage anderen Menschen, wenn mein Ego jetzt gerade besser sein will – damit nehme ich ihm den Wind aus den Segeln. Kann sein, dass auch das nur ein Trick ist – von einem anderen Ego-Anteil. Aber auch dagegen tue ich nichts. Denn ich habe gemerkt, dass ich freier werde, wenn ich mein Ego nur beobachte.
Ich kann in diesem Zusammenhang wirklich empfehlen, die Bücher von Eckhart Tolle zu lesen.
Das Ego – braucht man eins? Falls nein – wie wird man’s los?
Neulich habe ich gehört: “Ein bißchen Ego brauchen wir schon.” Erwischt! Sowas sagt nur das Ego.
Wozu sollte man ein Ego brauchen? Dazu muss man zunächst untersuchen, was das Ego eigentlich ist. Denn wenn ich etwas brauche, muss ich wissen, was es denn ist, das ich da brauche.
Das Ego ist nichts Festes, sondern eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Erfahrungen, Schlussfolgerungen, Wertvorstellungen, Konzepten, Gedanken und Schmerzen, mit denen man sich identifiziert.
Wenn man z.B. an den Glaubenssätzen etwas verändert, verändern sich auch die Erfahrungen, die Gedanken und die Schmerzen. Man verändert “sich”.
Und man hat nicht nur ein Ego. Man hat viele verschiedene Persönlichkeitsanteile, und alle haben ein eigenes Reaktionsmuster und ein eigenes Ladungspaket. Manche poliert man und trägt sie vor sich her, manche sperrt man in den Kohlenkeller und lässt sie dort verschimmeln.
Und dass man kein Ego braucht, kann man daran feststellen, wie erleuchtete Menschen ihr Leben schildern – sie benutzen die verschiedenen Persönlichkeitsanteile wie Werkzeuge: wenn man einen Nagel einschlagen will, braucht man einen Hammer. Wenn man damit fertig ist, kann man den Hammer wieder in die Schublade legen. Wenn man ein Hammer-Ego hat, wird es sagen, man müsse den Hammer die ganze Zeit in der Hand behalten, auch wenn kein Nagel in der Nähe ist.
Ok, man braucht es also nicht. Aber wie wird man es los?
Die Antwort wird Ihnen nicht gefallen: man kann es nicht loswerden, wenn man es loswerden will.
Zunächst muss man akzeptieren, dass es da ist. Und man muss sich der Tatsache stellen, dass es leider auch dann da sein könnte, wenn man sich gerade besonders heilig fühlt. Oder besonders bescheiden.
Denn das Ego ist sehr schlau – es benutzt alles, um sich am Leben zu halten. Wirklich alles. Es will besser sein als andere. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Manche Menschen sind besser im Bescheiden-sein und Nichts-brauchen. Manche sind besonders klug; manche besonders schön. Manche besonders tüchtig, andere besonders mächtig.
Was mache ich: ich beobachte mein Ego, wie es immer besser sein will – und grinse mir eins.
Wenn man keine Energie aufwendet, das Ego zu verändern oder gar zu vernichten, entzieht man ihm die Energie. Denn das Ego liebt es, sich zu verändern – dadurch erhält es Aufmerksamkeit.
Und um es wirklich aufzulösen, braucht man letztlich göttliche Hilfe.
Ho´oponopono
Kennen Sie Ho´oponopono? Das ist eine Methode, sich selbst zu vergeben, indem man den eigenen Anteil im Anderen sieht. Schon die Entstehungsgeschichte ist sehr berührend: durch die “Selbstvergebung” des hawaiianischen Arztes Dr. Len konnte eine ganze Abteilung einer forensischen Psychiatrie geschlossen werden – weil alle Insassen geheilt worden waren, obwohl der Arzt nie einen der Patienten zu Gesicht bekommen hatte.
Was hatte er getan: er hatte vereinbart, die Akten der Insassen in einem Büro zu studieren. Und dabei arbeitete er an sich selbst, indem er den Teil in sich heilte, der den “verhaltensauffälligen” Teil im Anderen erschaffen hatte.
Diese Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass alles, was man je zur Kenntnis nimmt, in der eigenen Verantwortung liegt.
Die ganze Welt ist meine Schöpfung – im allerwahrsten und tiefsten Sinne des Wortes.
Wenn man die vollkommene Verantwortung für sein Leben übernimmt, dann ist alles, was man sieht, hört, schmeckt, berührt oder sonstwie erfährt, in der eigenen Verantwortung, allein, weil es auftaucht. Im Grunde existiert nichts wirklich – nur als Projektion aus dem Inneren.
Wie es geht:
Man fragt sich: Was stört mich am Anderen?
Wenn ich die andere Person wäre, was würde mich motivieren, mich so zu verhalten? Wie ginge es mir?
Es geht nicht um Einfühlung in den Anderen, sondern darum, sich vorzustellen, wie man selbst sich fühlen würde, wenn man so reagieren würde.
Dann sagt man “Es tut mir leid” (in Gedanken oder auch laut). Man bedauert damit, dass man die andere Person benutzt, diesen Anteil zu spiegeln.
“Bitte verzeihe mir” – man bittet um Verzeihung, dass man die wahre göttliche Natur des Anderen im Moment nicht sehen kann, und dass man ihn nur durch die Filter seines eigenen Schmerzes wahrnehmen kann.
Mit diesem Schritt bittet man das Göttliche, zu helfen, sich selbst zu verzeihen.
“Ich liebe dich / mich”.
“Danke” – Man dankt für die Umwandlung der Störung in sich.
Und man dankt für das Geschenk, das der andere einem gibt – indem er die eigenen ungeheilten Teile sichtbar macht.
Dann kann man noch sagen “Ich segne dich. Ich übergebe es Gott. Ich lasse dich los in die bedingungslose, göttliche Liebe, von der du ein Ausdruck bist.”
Meist ist es hilfreich, diese Sätze mehrere Male zu sagen oder zu denken, so lange, bis man eine Veränderung wahrnimmt. Und wenn ein Satz besonders schwer über die Lippen kommt, ist dies nicht schlimm – die Göttliche Sphäre benötigt nur eine kleine Bereitwilligkeit.
Ich habe schon wunderbare Erfahrungen mit dieser Methode gemacht.
Woran erkennt man eigentlich, dass man erleuchtet ist?
Ich kann diese Frage natürlich nur so beantworten, wie der Blinde die Farbe beschreibt.
Denn ich bin’s ja nicht.
Und gleichzeitig wird man sie wahrscheinlich nur beantworten, wenn man es noch nicht ist.
Denn wenn man wirklich erleuchtet ist, ist niemand mehr da, der sich diese Frage stellt.
Umgekehrt: wenn man sie sich stellt, ist man noch nicht erleuchtet. Das ist zumindest meine Theorie.
Ich kenne einige erleuchtete Menschen. Sie reden nicht davon, dass sie erleuchtet sind. Es ist ihnen völlig wurscht.
Ich kenne aber auch einige Menschen, die von sich behaupten, erleuchtet zu sein. Oder wenigstens ganz nah dran.
Dass sie es nicht sind, erkenne ich daran, dass es ihnen wichtig ist, es zu sein. ![]()
Was ich oft höre, ist: “Mir ist mein Ego nicht mehr so wichtig.”, oder “Die hat ja vielleicht ein aufgeblasenes Ego!”
Man darf Erleuchtung nicht mit “Ein-guter-Mensch-sein” verwechseln: man ist nicht schon dadurch erleuchtet, dass man ein guter Mensch sein will oder ist. Einem erleuchteten Menschen ist es nicht mehr wichtig, ob er bewertet wird und wie. Es geht nicht darum, alle negativen Eigenschaften auszumerzen. Im Gegenteil: wenn man versucht, seine negativen Eigenschaften zu eliminieren, bewirkt man zweierlei: erstens sind die negativen Eigenschaften zwar in die Besenkammer gesperrt, aber sie sind nicht weg. Und aus der Besenkammer heraus projezieren sie sich auf immer mehr Mitmenschen, die uns begegnen. ![]()
Zweitens sind da zwei Persönlichkeitsanteile: einer, der in die Besenkammer gesperrt wird, und einer, der den Schlüssel hat. Und der mit dem Schlüssel wird immer größer. Aber auch er ist ja nur ein Egoanteil.
Was ich von den Erleuchteten gelernt habe (die von sich selbst nicht behaupten, es zu sein!):
1. Auch nach der Erleuchtung hört die Entwicklung nicht auf. Die Erleuchtung ist nur eine deutliche Wegmarke, aber nicht das Ziel.
2. Es gibt so viele Arten, erleuchtet zu sein wie es Menschen gibt.
3. Man erkennt Erleuchtung (auch Erwachen genannt) daran, dass man keinerlei Ladungen mehr hat. Und man identifiziert sich nicht mit einem Charakterzug mehr als mit einem anderen. Die Persönlichkeitsanteile tauchen je nach Bedarf auf – und wieder ab.
4. Man hört auf, gut sein zu wollen. Man kann sich akzeptieren, wie man ist. Und dadurch auch die anderen.
5. Es kann auf einmal passieren (wie bei Eckhart Tolle oder Karl Renz) oder in vielen kleinen Schritten.
6. Äußerlich haben die Menschen, die ich als erleuchtet erlebe, gemeinsam, dass sie einen angenehm leeren Blick und ein inneres Leuchten haben. Sie sind vollkommen friedfertig. Man kann sich nicht vorstellen, worüber sie je wütend werden könnten. Und es ist ihnen egal, ob sie erleuchtet sind.
7. So lange man noch darüber nachdenkt, ob man jetzt vielleicht schon erleuchtet ist, ist man es nicht. Die Erleuchtung ist ein Zustand, den das Ego gerne benutzen würde, um sich wichtig zu machen. Damit dies möglich ist, muss das Ego rechtzeitig aufhören, spirituell zu arbeiten, damit die Erleuchtung nicht wirklich eintritt. Denn wenn sie eintritt, ist es ja weg. Also das Ego. Es ist für das Ego sehr schwer zu akzeptieren, dass es von diesem so bewundernswerten und prestigeträchtigen Zustand nicht profitieren kann. Denn dieser Zustand kann nur eintreten, wenn man gerade keine Bedeutsamkeit erlangen will.
Dumm gelaufen für das Ego.
Zum Glück wissen die meisten Menschen nicht, woran sie erkennen, dass man erleuchtet ist.
Man kann es also einfach behaupten. Vielleicht merkt es ja keiner…