Liebe dich selbst - und krieg’ die Anderen kostenlos obendrauf!

Fast alle Menschen leiden darunter, dass sie sich selbst nicht genug lieben. Dies äußert sich in vielen Formen, und manche tarnen sich so gut, dass man nicht gleich merkt, dass mangelnde Selbstliebe dahinter steckt.
Da dieses Thema so weit verbreitet ist, hilft dieser Aufsatz vielleicht dem einen oder anderen. :-)

Ich habe im Thema Selbstliebe einen weiten Weg hinter mir: als ich ein Kind war, habe ich mich leidenschaftlich gehasst. Ich konnte buchstäblich jeden verstehen, der mich nicht mochte. Ich habe ständig versucht, mich zu ändern, ein besserer, liebenswerterer Mensch zu werden. Ich hatte keinerlei Kontakt zu dem, was ich selbst hätte wollen können, sondern wollte nur eins - von Anderen gemocht werden. Daher habe ich verzweifelt versucht, es anderen Menschen recht zu machen.

Das war ein anstrengender Job, denn alle wollen ja was anderes. Das hat mich als 13jährige schon völlig überfordert: meine Mitschüler wollten, dass ich mich ändere, dass ich nicht mehr “angebe”, konnten mir aber nicht sagen, was sie damit meinten. Meine Großmutter wollte, dass ich weniger “egoistisch sei”. Mein Vater wollte, dass ich nicht mein Fähnchen nach dem Wind hänge und dass ich nicht jede Mode mitmache. Meine Freundin wollte jedoch genau das - dass ich jede Mode mitmache.

Ich kenne keinen Weg zum Erfolg,
aber einen sicheren Weg zum Misserfolg
- es allen recht machen zu wollen.

Plato

Trotz aller Widrigkeiten entwickelte sich mein Leben doch irgendwie in die richtige Richtung. Die Selbstliebe ist gaaanz langsam gewachsen. Aber auch als junge Erwachsene hatte ich noch tiefe Einbrüche, während denen ich an der schieren Tatsache verzweifelte, in meinem Körper, in meinem Sein gefangen zu sein. Jahrelang machte ich mir Gedanken, was die Anderen wohl von mir dachten, und wie ich wohl beeinflussen könnte, dass sie das Richtige dachten, und wie ich sie dazu bringen könnte, mich zu mögen.

Den richtigen tief- und weitgreifenden Durchbruch zum Thema Selbstliebe hatte ich im Oktober 2008 in einem spirituellen Retreat an der Oneness University in Südindien. Ich erkannte, dass Menschen andere Menschen mögen, weil diese ihnen etwas spiegeln, was sie an sich selbst mögen - oder was sie gerne noch verwirklichen möchten.
Wenn Menschen andere Menschen nicht mögen, dann deshalb, weil sie ihnen etwas spiegeln, was sie an sich selbst ablehnen.  Ein gutes Beispiel war ein junger Taiwanese: er mochte eine der Lehrerinnen des Retreats nicht, weil sie ihn an seine Schwester erinnerte. Ich hingegen mochte diese Lehrerin sehr - und ich mochte auch den Taiwanesen. An der Lehrerin war nichts falsch - sie triggerte nur eine alte Erinnerung des Taiwanesen.

Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist.
Wir sehen sie, wie wir sind.
Anais Nin

Die Geschichte des Taiwanesen war nur ein Baustein in diesem Prozess.
Ein weiterer Baustein war die Erkenntnis, dass Menschen andere Menschen dann mögen, wenn diese ein Feld von Akzeptanz um sich verbreiten: Wir alle fühlen uns von Menschen angezogen, die Frieden und Liebe verbreiten, weil es sich in ihrer Gegenwart so gut und leicht anfühlt. Solche Menschen brauchen nicht so viel - und können mehr geben. Und die, die noch viel brauchen, kommen dann und wollen diese Qualität anzapfen bzw. in ihr baden.

Ein friedlicher, harmonischer Mensch ist ein bißchen wie eine schöne Aussicht auf’s Meer- man schaut ihn gerne an und ist gerne in seiner Nähe, weil “alles in Ordnung” ist. Er braucht nichts. Er ist sich selbst genug. Wie angenehm!

Ein wütender, sich selbst ablehnender Mensch verbreitet  ein Feld von Unordnung und Chaos. Genau wie wir in einem Hotel lieber ein Zimmer mit Meerblick haben als eines mit Blick auf eine Baustelle, halten wir uns von Menschen, die unter inneren Konflikten leiden, lieber fern. Wir haben schließlich selbst genug Konflikte und wollen uns nicht auch noch die Konflikte anderer Menschen anhören oder gar aufhalsen (es gibt natürlich auch Menschen mit Helfersyndrom - die kann ich ja mal in einem eigenen Artikel behandeln :-))

Was bedeutet das für mich? Ich habe in diesem Prozess erkannt, dass die Bedürftigkeit nach Liebe ein inkohärentes Feld erzeugt - also Unordnung - und dass dadurch jeder lieber auf Abstand geht. Weil man die Liebe so dringend braucht, gibt sie einem keiner. Und sogar wenn da jemand wäre, der willens und in der Lage wäre, mich zu lieben, könnte ich sie nicht annehmen, denn meine Bedürftigkeit hat sozusagen ein Leck in den Boden des Fasses geschlagen. Ich würde es gar nicht hören, oder ich würde es dem Anderen nicht glauben. Vielleicht würde ich missmutig sagen “Das sagst du ja nur, weil du mich trösten willst. In Wahrheit findest du mich auch blöd”.
Alles läuft unten wieder raus, so dass ich immer mehr brauche.

Ich kann mein Bedürfnis nach Liebe viel effektiver erfüllen, wenn ich mich liebe - egal, was die Anderen tun. Und ironischerweise erzeugt meine Selbstliebe dann ein so kohärentes Feld, dass sie die Anderen davon angezogen fühlen.

Als ich dies erkannt hatte, erlebte ich eine ungeheure Leichtigkeit. Was für eine Energieersparnis! “Liebe dich und du kriegst die anderen noch dazu!” Alles war auf einmal einfach. Ich merkte, wie egal es ist, was Andere über mich denken. Jeder Mensch hat 60.000 Gedanken am Tag, und man kann sie eh nicht kontrollieren. Man kann ja nicht mal seine eigenen Gedanken kontrollieren, wie kann man dann annehmen, dass man die Gedanken Anderer beeinflussen könnte! Es war eine ungeheure Entlastung, das zu sehen. Und ich erlebte eine immense innere Freiheit.

Ich muss nicht mehr richtig sein - denn wer will beurteilen, was richtig ist?
Ich muss nicht perfekt sein - wer weiß schon, wann man perfekt ist?
Ich darf gierig sein, egoistisch, gemein - denn jeder ist das mal.
Und es zu sein heißt ja nicht, dass ich es auslebe. Es heißt nur, dass ich sehe “Ah, jetzt bin ich gerade total egoistisch” - und mich nicht dafür ins Unrecht setze.

Und es führt tatsächlich dazu, dass ich auch mit Anderen viel gnädiger bin: Jeder ist mal A…. Jeder nimmt mal die Vorfahrt, jeder ist mal gemein, jeder will mal eine leckere Schokolade alleine aufessen, anstatt sie zu teilen, jeder hat mal Mordgedanken, jeder will mal besser sein, jeder will mal kontrollieren undundund.
Ich kann das sehen - und jetzt viel leichter vergeben.
Ich sehe den Konflikt in den Anderen, ich sehe die Traurigkeit hinter der Wut - und nehme nur noch sehr wenig persönlich.

Mein Feld ist dadurch viel “ordentlicher” geworden - das merke ich daran, dass sich viel mehr Menschen in meiner Umgebung wohl fühlen als früher. Ich brauche von Anderen nicht mehr so viel. Von vielen Menschen höre ich, wie sehr ich mich verändert hätte. Und ich merke es auch. Und meine Oma (83 Jahre) hat vor kurzem gesagt: “Du wirst immer schöner.”

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