Kürzlich habe ich eine Diskussion über das Ego geführt: was ist Ego-Verhalten und was nicht? Gibt es gutes und schlechtes Ego? Ist man egofrei, wenn man mitfühlend ist, einen guten Charakter hat, andere Menschen wertschätzt? Nein, nicht automatisch - sorry! Es kann nämlich auch sein, dass man einfach ein Ego hat, das ein guter Mensch sein will. Man ist viel eher auf dem Weg, das Ego zu verlieren, wenn man zuerst einmal anerkennt, dass man es hat.
Wenn man der Illusion erliegt, man hätte es schon nicht mehr, weil man ja selbstlos und hilfsbereit ist, dann hat man einfach ein Ego, das sich mit bestimmten Wertvorstellungen identifiziert. Und dieses “liebe” Ego ist besonders listig, denn es wiegt uns in der Sicherheit, wir seien schon drüber weg. Es versteckt sich sozusagen hinter unserer Gutmensch-Artigkeit. Sehr schlau, denn da wird es nicht so leicht entdeckt. Schon viele Gurus sind dieser Illusion des Egos auf den Leim gegangen.
Ich persönlich vermute mein Ego hinter allem, was ich tue - schon sicherheitshalber. Ich beobachte es genau, wenn es besser sein will als andere, weiter sein will in seiner spirituellen Entwicklung, einen besseren Charakter haben will, klüger sein will, wichtig sein will, gesehen werden will. Und was mache ich damit? Nix. Wozu auch. Jede Energie, die ich aufwende, um es zu ändern, verstärkt es nur.
Und es ist wirklich schlau - selbst wenn ich in egofreiem Zustand mal etwas Tolles mache (und in diesem Zustand keine Anerkennung brauche), ist es mein Ego, das nachher mit dem Hut rumgeht und Honorar für seine tolle Leistung haben will.
Was kann man da machen? Nix. “Ich sehe dich”, sage ich zu ihm. Und ich stelle es bloß, indem ich den Anderen sage: “Schönen Gruß von meinem Ego - es möchte gerade Aufmerksamkeit und Anerkennung”.
Und es kann sogar sein, dass auch derjenige, der das eine Ego bloßstellt, auch nur wieder ein Egoanteil ist - eben ein anderer. Einer, der für seine Bewusstheit anerkannt werden will.
Aber an dieser Stelle breche ich dann aber immer ab, denn das hat ja kein Ende.