Mehr zur wertfreien Beobachtung (Schritt 1)
Gemeint ist eine neutrale Schilderung ohne jegliche Bewertung oder Interpretation: denken Sie an einen Roman, in dem detailliert beschrieben wird, wie eine Szenerie aussieht, so dass Sie sich vor sich sehen können.
Warum dieser spitzfindige Aufwand?
Viele Menschen erleben dieselbe Situation sehr unterschiedlich, aber meist thematisieren wir das nicht, weil es uns nicht bewusst ist. Oft eskaliert eine Situation, weil wir bei einem Verhalten, das wir beobachten, "wissen", warum der Andere das tut und was er dabei denkt. Und weil wir es schon "wissen", überprüfen wir nichts.
Bsp.: Sie schreiben jemandem eine Email und erhalten keine Antwort. Das ist die Beobachtung.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten, was passiert sein könnte:
- Er hat die Email nicht erhalten.
- Er hat sie erhalten, aber nicht gelesen.
- Er hat sie erhalten und gelesen,
aber keine Zeit zu antworten.
- Er hat sie erhalten und gelesen, aber vergessen zu antworten.
- Er kann Sie nicht leiden.
Und meist denken wir das Schlimmste:
Der Andere will uns schaden, denn er kann uns nicht leiden. Und wir sind sauer.
Sie dürfen weiterhin interpretieren und bewerten, aber trennen Sie es von der Beobachtung. Dadurch kann Ihr Gegenüber das reale Geschehen und "Ihre Geschichte dazu" auseinanderhalten.