Warum ich lieber den Begriff "Einfühlsame Kommunikation" verwende...
1. Ich bin nicht international als Trainerin zertifiziert.
Aus Respekt vor der Arbeit des Centers und den zertifizierten TrainerInnnen grenze ich mich mit dieser Bezeichnung ab.
2. Ich finde den Ausdruck "Gewaltfrei" missglückt:
Erstens ist in dem Wort immer noch das enthalten, wovon es frei sein soll - die Gewalt.
Zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen denken, ihre Sprache
sei schon deshalb gewaltfrei, weil sie keine Kraftausdrücke
verwenden: "Ich spreche sowieso schon gewaltfrei!".
Es geht jedoch um viel mehr:
Zum einen geht es darum, sich
einzufühlen - in sich selbst und in den Anderen. Das gibt der
Begriff "gewaltfrei" nicht wieder.
Zum anderen hat sich Marshall Rosenberg
auf Mahatma Gandhi und dessen gewaltlosen Widerstand gegen die
englische Kolonialmacht bezogen, als er den Begriff geprägt hat:
Ghandi war Hindu und tief religiös. Nach
einem rassistischen Erlebnis hatte er sich zum Grundsatz gemacht,
nie wieder zu dulden, dass er unterdrückt werde. Er wollte auch in seinen
Kämpfen niemals Gewalt anwenden, selbst wenn andere Gewalt gegen
ihn anwenden.
Ein wichtiger Grundbegriff war die Wortschöpfung „Satyagraha“
(Festhalten an der Wahrheit). Diese war für ihn eng verbunden mit
Gewaltlosigkeit ("Ahimsa"). Ich habe Marshall Rosenberg mehrmals persönlich erlebt und weiß,
dass er ähnlich kraftvolle, tiefgehende und weitreichende Ambitionen
hat wie Gandhi - er ist auch für zivilen Ungehorsam und will einen
sozialen Wandel herbeiführen.
Er steht daher durchaus in der kraftvollen Tradition von Gandhi.
In meinem Sprachgefühl transportiert der Begriff "Gewaltfrei" all
das nur schwach.